Habari Gani, liebe Freunde der Partnerschaftsgruppe!
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Reinhild Schneider· Liebe Reinhild, Du bist 1996 in den Kongo gegangen. Was hat Dich bewogen, diese Herausforderung einer sicheren Gemeindearbeit in Bayern vorzuziehen?
Ich hatte bereits elf Jahre in Gemeinden in Bayern gearbeitet und habe mir dann überlegt: Wir sollten nicht nur vom Teilen reden, sondern es auch tun. Oft sind wir bereit, ein bisschen von unserm Geld ab zu geben, aber ich wollte gerne auch meine Ausbildung und meine Zeit einer Kirche zur Verfügung stellen, die bislang noch über zu wenig ausgebildete Pastoren verfügt. Deshalb bin ich in den Kongo gegangen.
· In Deutschland erfahren wir von Afrika hauptsächlich, wenn eine Hungersnot herrscht oder ein Bürgerkrieg entfesselt wird. Dadurch entsteht hier das Bild von Afrika als einem geschundenen, hoffnungslosen Kontinents. Stimmt dieser Eindruck für Dich nach den langen Erfahrungen, die Du gemacht hast?
Es stimmt, dass Afrika bzw. afrikanische Länder immer wieder von Kriegen heimgesucht werden. Aber wenn wir auf die Menschen schauen, die solche schwierigen Zeiten durchlebt haben und durchleben, beeindrucken ihre positive Lebenseinstellung, ihr Lebenswille und auch ihr Mut, immer wieder neu anzufangen. Im Blick auf den Mangel an Nahrung, Kleider und Geld fällt mir auf, was für Lebenskünstler sie sind, denen es gelingt, ihre Notlagen zu meistern und mit wenigen Mitteln zurecht zu kommen. Nicht zuletzt ist das durch die große gegenseitige Hilfsbereitschaft möglich. Deshalb ist ein Afrika-Bild, das nur von Krieg geprägt ist, einfach nicht stimmig.
· Die afrikanische Frau gilt gegenüber der Rolle der Frau in Europa noch als sehr benachteiligt; wir denken an Zwangsverheiratung, Unterordnung unter den Mann, ja sogar Genitalverstümmelung in Teilen Afrikas . Wie siehst Du die Rolle der Frauen im Kongo?
Es ist richtig, dass auch in den meisten Ethnien im Kongo der Vater der Chef der Familie ist. Das heißt aber nicht, dass die Frauen keine Verantwortung hätten. In den dauerhaften wirtschaftlichen Notzeiten sind es oft die Frauen, die den Lebensunterhalt der Familie sichern. In den städtischen Gebieten ist der Jungen- und Mädchenanteil an den Schülern gleich, während der Anteil der Studentinnen an den Universitäten noch unter dem der Jungen liegt. Das kongolesische Parlament wurde bis vor kurzem von einer Frau geleitet und bei der Wahl zum Staatspräsidenten haben mehrere Frauen kandidiert. Das bedeutet, dass die Frau im Kongo durchaus bereit und in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen und ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen; wenngleich ihre Ausgangsposition gegenüber Männern ungleich schwieriger ist.
· Welche Rolle nehmen die Frauen in der Kirche ein?
Auch in der Kirche haben und übernehmen Frauen zunehmend Verantwortung. Zwar erfüllen sie weithin die von ihnen erwartete „Martha-Rolle“, aber in ihnen eigenen Bereichen arbeiten sie sehr selbstständig, selbstbewusst und eigenverantwortlich.
· Seitdem die Parlamentswahlen im Kongo beendet sind und die deutschen Truppen aus Kinshasa wieder zurückgekehrt sind, berichten die Medien wieder weniger aus dem Kongo. Im Osten ist das Land immer noch nicht befriedet, die Menschen sind von den vielen Angriffen traumatisiert. Wie ist die Lage im Moment?
Die Lage ist in großen Teilen des Landes friedlich. Dies gilt leider nicht im Nordosten des Landes. Dort lebt die Bevölkerung nach wie vor in großer Unsicherheit. Das liegt an dem Weiterbestehen von Rebellengruppen und –grüppchen, die immer wieder Dörfer überfallen, plündern und die Bevölkerung einschüchtern. In den Provinzen Orientale und Nord-Kivu sind auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt Hunderttausende von Menschen nicht in ihren Heimatorten, sondern auf der Flucht.
· Was ist der Grund dafür, dass der Krieg sich so lange hält?
Das ist komplex und hat unterschiedliche Gründe. Ich möchte hier zwei nennen:
Zum einen haben mehrere Nachbarländer ein Interesse daran, dass Unruhen bestehen bleiben, um Bodenschätze unkontrolliert aus dem Land schaffen zu können. Zum anderen leben mehrere der Rebellengruppen in unzugänglichen Gebieten und das kongolesische Militär ist meines Erachtens weder materiell noch strukturell in der Lage, vielleicht auch nicht willens, den Unruheherden ein Ende zu machen.
· Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen weiterhin alles Gute und Gottes Segen für Deine weitere Arbeit in Bukavu.